Venetien

Wein aus Venetien Venetien

Die viticultori del Veneto sind echte Teufelskerle. Denn schließlich haben sie einige der heute beliebtesten Weine der Welt »erfunden«. Ripasso, Amarone und Prosecco gibt es erst seit einigen Jahren. Doch sie sind längst Aushängeschilder der italienischen cultura del vino.
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Venetien – V wie Verona, Venedig und Valpolicella

Venetien oder Veneto, wie wir Einheimischen sagen, ist ein tesoro, ein Schatz voller unterschiedlicher Weine und Stile. Die fruchtbare Landschaft erstreckt sich ja auch vom Gardasee bis zur Lagune von Venezia, vorbei an Verona, Soave, Vicenza und Padova. Etwas abseits liegen Treviso und die Täler von Conegliano und Valdobiaddene, die zusammen den Kern des Prosecco-Gebietes bilden. Vom unkomplizierten Spritzer bis zum schweren Amarone, vom mineralisch trockenen Bardolino bis zum süßen Recioto finden Sie in dieser Gegend alles. 
Weiß und rot am Gardasee
Urlaub am Gardasee? Kein Problem. Kultur in Verona? Ebenfalls kein Problem. Ein Besuch der weltberühmten Lagunenstadt ist natürlich ebenso ein Muss, wenn Sie die Region besuchen. Für alle anderen Daheimgebliebenen bleibt der Wein, der qualitativ in den letzten Jahrzehnten einen Quantensprung gemacht hat. Erinnern Sie sich an den Soave der 1980er? Das war die Zeit, in der es Chianti aus Bastflaschen und Lambrusco zuckersüß gab. Der Soave von heute müsste eigentlich berühmter sein als der Lugana, so gut ist er geworden. Aber das kommt vielleicht noch. So wie etwa beim Bianco di Custoza, der sich neben dem Lugana ebenfalls einen guten Namen gemacht hat. Doch die Krone des Veneto trägt der Amarone samt seinem Gefolge, dem Valpolicella und dem Ripasso. 

Wein aus dem Veneto ist weltweit begehrt
Fest steht, die Tradition all dieser Weine ist noch keine hundert Jahre alt. Und doch wissen die Winzer des Veneto oft gar nicht, wo sie all den Wein hernehmen sollen, der ihnen weltweit con baciamano, also mit Kusshand, aus den Händen gerissen wird. Nie waren Bardolino und Prosecco, Valpolicella und Ripasso so beliebt wie heute.

Herkunftsbezeichnungen in Venetien


Bardolino DOC – frische Rosés und Rotweine vom Gardasee  


Die Appellation, die vom Örtchen Bardolino ihren Namen erhalten hat, steht für frischen Rosé namens Chiaretto, Rotwein und Chiaretto Spumante rund um den Gardasee. Die wichtigste Rebsorte ist die Corvina, die man sonst vor allem im Valpolicella findet.  


Mit rund 2.800 Hektar hat die Bardolino DOC eine stattliche Größe. Sie reicht von der Etsch bis zum Südostufer des Gardasees und wird geprägt von den Rebsorten Corvina und Corvivone sowie kleineren Anteilen von Rondinella und Milonara. Diese Rebsorten sind eigentlich typisch für Valpolicella und Amarone, aber ebenso für die viel leichteren Weine direkt vom See. Besonders erfolgreich sind Chiaretto, Rosé wie auch Chiaretto Spumante. Im Herzen der Appellation rund um Bardolino, Lazise und Garda liegt das Bardolino Classico. 



Bianco di Custoza / Custoza DOC – frische Brise vom Gardasee 


Rund um den Ort Custoza, nicht weit vom Gardasee und von Verona entfernt, stehen die Trebbiano- und Garganega-Reben für diesen frischen weißen Qualitätswein. Das Ziel ist es, diese Cuvée genauso populär zu machen wie den unweit entstehenden Lugana.  


Bianco di Custoza wächst fast auf der gleichen Fläche zwischen der Etsch und Lazise wie die roten Reben für den Bardolino. Die weiße venetische Cuvée beinhaltet immer mindestens 10 bis 45 % Trebbiano Toscano, 20 bis 40 % Garganega sowie kleinere Anteile Sauvignonasse, Cortese, Malvasia, Pinot bianco, Manzoni oder Welschriesling. Es gibt den Custoza zudem als Superiore mit mindestens fünf Monaten Ausbau sowie als Spumante und als Passito. Die 1.345 Hektar große DOC ist in den letzten Jahren immer populärer geworden, auch weil die Reben auf ähnlichen Bodenstrukturen wachsen wie der Lugana und entsprechend frisch und klar in ihrer Aromatik sind. 



Colli Euganei DOC – Vulkanböden und Kalk sorgen für viel Spannung 


Die Voraussetzungen sind perfekt: vulkanische und stark kalkhaltige Böden führen zu mineralischen Weiß- und Rotweinen, die fast immer reinsortig ausgebaut werden. Einen entsprechend guten Namen haben die Weine aus den Colli Euganei mittlerweile. 


Klein ist sie, die Appellation Colli Euganei, die in der Po-Ebene von Venetien liegt. 717 Hektar formen den Qualitätsweinbau für Rot- und Weißweine. Die meisten davon werden reinsortig angebaut aus einer der vielen erlaubten Sorten. Beim Weißwein sind das Chardonnay und Friulano, Garganega, Glera, Manzoni bianco, Pinella, Pinot bianco und Sauvignon blanc. Bei den roten Sorten findet man neben den beiden Cabernets vor allem die Carmenère, ferner Merlot und Raboso. In den weißen Cuvées sind mindestens 30 % Garganega und Glera enthalten, bei den roten Cuvées größere Menge Mengen Merlot, Cabernet oder Carmenère. Wie in ganz Italien werden auch hier die Spumante immer beliebter. Sie verfügen über die gleichen Rebsortenzusammensetzungen wie die weißen Cuvées. Zusätzlich gibt es eine aromatische restsüße Variante mit Moscato. 



Soave DOC – mineralische Weine mit neuem Image 


Soave ist bis heute die wichtigste und auch größte Weißweinappellation Venetiens. Vulkan- und Kalkböden sorgen für sehr lebendige mineralische Weine, die vor allem von der Sorte Garganega geprägt werden.  


Bis heute hat das Soave ein Image-Problem. Zwar entstehen hier mindestens genauso hochwertige und zudem sehr ähnliche Weine wie in Lugana. Doch während der Lugana weltweit gefeiert wird, gilt der Soave immer noch als problematisch. Dafür haben in den 1970er- und 1980er-Jahren Großproduzenten gesorgt, die mit billigem Soave den Markt jahrelang überschwemmt haben. Wer früher von der Pizzeria um die Ecke bei einer größeren Bestellung eine Flasche Wein geschenkt bekam, erhielt mit ziemlicher Sicherheit einen Soave. Von einem solchen Image kommt man nur schwer weg, und doch versuchen die Winzer des Soave es vor allem mit einer Maßnahme – mit Qualitätsanbau. 5.300 Hektar stehen unter Reben, ein Großteil davon ist der Garganega vorbehalten, ein kleinerer Teil dem Trebbiano di Soave. Im historischen Zentrum der Region darf der Wein den Zusatz Classico tragen. Mittlerweile gibt es wieder viele Winzer, die dem qualitativ häufig hervorragenden Soave wieder zu neuem Ruf verhelfen.


Valpolicella Ripasso DOC – einer der beliebtesten Rotweine Italiens 


Der Valpolicella Ripasso hat sich zu einem der populärsten Weine ganz Italiens gemausert. Valpolicella wird mit Amarone-Trester vergoren, und so entsteht ein voller, dichter Wein aus den Sorten Corvina, Corvivone, Rondinella und Molinara.  


Seit 2010 gibt es die DOC für diesen äußerst populären Rotwein. Es ist dabei schon erstaunlich, was die Winzer im Valpolicella innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten aus ihrem Gebiet gemacht haben. Der Valpolicella ist bis heute einer der angesehensten Rotweine Venetiens, der Amarone hat ab den 1960er-Jahren einen Aufstieg erlebt wie kaum ein anderer Rotwein Italiens, und man nutzt den frischen Trester des Amarone, um ihn mit dem gerade vergorenen Valpolicella ein weiteres Mal zu vergären. Das Ergebnis dessen ist Valpolicella Ripasso, der sich aromatisch zwischen dem üblichen Valpolicella und dem Amarone bewegt. Meist nutzen die Winzer die qualitativ hochwertige Variante Valpolicella Superiore für diese Weinart.   



Venezia DOP – das Veneto ganz regional 


Haben Sie schon mal von Raboso gehört? Nein? Es gibt diese Sorte auch fast ausschließlich in Treviso und Venezia. Zusammen mit Glera und Verduzzo ist Raboso die Grundlage für viele Frizzante und Spumante der Region.  


Die 1.277 Hektar große DOP Venezia findet sich in den Gemeinden der Provinzen Treviso und Venezia. Rund 36.000 Hektoliter werden jährlich abgefüllt. Die wichtigsten weißen Rebsorten sind Chardonnay, Glera, Pinot grigio und Verduzzo. Für Rosé- und Rotweine nimmt man Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot und Raboso. Die heimischen Sorten Glera, Verduzzo Friulano, Verduzzo Trevigiano, Raboso Piave und Raboso Veronese werden vor allem für Frizzante und Spumante verwendet. Das heißt, dass in dieser DOP vor allem ursprünglich französische Sorten eingesetzt werden. Wie üblich werden bei reinsortigen Weinen, bei denen die Rebsorte auf dem Etikett steht, mindestens 85 % dieser Sorte genutzt. Der Spumante wird nie ganz trocken ausgebaut. Er ist also mindestens brut, was einem Süßegrad von 6 bis 12 mg Zucker pro Liter entspricht. 



IGP delle Venezie – Pinot grigio und mehr 


Wenn Pinot grigio, dann bitte delle Venezie. So hört man es zumindest sehr häufig in Italien. Im Veneto, Trentino und Friaul Julisch entstehen die besten Grauburgunder Italiens. Aber die IGP hat noch mehr zu bieten, zum Beispiel Chardonnay, Riesling oder Spumante … 


Die IGP delle Venezie ist eine ganz neue, erst 2017 entstandene Appellation, die schnell populär geworden ist. Sie ist aus der Landwein-IGP delle Venezie entstanden, die nun Trevenezie heißt. Delle Venezie steht vor allem für den äußerst beliebten Pinot grigio aus dem Veneto, dem Trentino und Friaul-Julisch-Venezien. Auch wenn der Pinot grigio eindeutig überwiegt, dürfen auch Chardonnay, Garganega, Malvasia, Riesling, Sauvignon blanc und Verduzzo den Titel delle Venezie IGP tragen. Erzeugt werden ausschließlich stille und schäumende Weißweine – und das auf einem rund 24.000 Hektar großen Gebiet. Im Gegensatz zum Landwein der Region, dessen Alkoholgehalt bei nur 9 % Alc. liegen darf, muss der Qualitätswein der IGP delle Venezie mindestens 11 Prozent aufweisen. Der Bianco delle Venezie muss mindestens 50 % einer der genannten Rebsorten aufweisen, reinsortige Weine mindestens 85 %. Im Spumante, der im Tank seine zweite Gärung durchläuft, sind mindestens 85 % Pinot grigio enthalten. Da der Grauburgunder der Region so erfolgreich ist, wird dieser Weine oft auch als Pinot grigio delle Venezie IGP bezeichnet.